Johannes Kepler Symposium für Mathematik

Im Rahmen des Johannes-Kepler-Symposiums für Mathematik wird Dr.in Elisabeth Menschl, Institut für Philosophie und Wissenschaftstheorie, JKU Linz, am Wed, June 1, 2005 um 17:00 Uhr im HS 9 einen öffentlichen Vortrag (mit anschließender Diskussion) zum Thema "Johannes Kepler und das "närrische Töchterlein der Astronomie"" halten, zu dem die Veranstalter des Symposiums,

O.Univ.-Prof. Dr. Ulrich Langer,
Univ.-Prof. Dr. Gerhard Larcher
A.Univ.-Prof. Dr. Jürgen Maaß, und
die ÖMG (Österreichische Mathematische Gesellschaft)

hiermit herzlich einladen.

Series A - General Colloquium:

The intention is to present general information not only to experts, but also to students and guests from outside the mathematical institutes.

Johannes Kepler und das "närrische Töchterlein der Astronomie"

Johannes Kepler, einer der wichtigsten Begründer der modernen Naturwissenschaften, beschäftigte sich intensiv mit Astrologie und erstellte auch Horoskope. Gegen deren wahrsagerische Auswüchse aber nahm er immer wieder Stellung. In seiner Schrift: "Warnung an die Gegner der Astrologie" (1610) mahnte er, "nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten". Während die Keplerschen Gesetze zum festen Bestand der Physik und Astronomie geworden sind, sind seine anderen Ideen fast ganz vergessen oder in oberflächlicher Weise vereinnahmt von neuen Wellen des Aberglaubens. So bleibt am Ende das Bild eines Naturforschers und Mathematikers, der in keine Tradition passt und von einer Fülle von Vorstellungen getragen war, die nie weiter geführt worden sind. Als Wiege der Astrologie gilt heute Babylonien. Dort führte eine ausgeprägte Gestirnreligion und die fortlaufende Gestirnbeobachtung zu dem Gedanken, dass die Götter durch die Stellung der Gestirne den Menschen ein Zeichen, ein "Omen" geben wollten. Bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts waren Astronomie und Astrologie ein und dasselbe. Erst nachdem sich das kopernikanische System durchgesetzt hatte, wonach die Sonne anstatt die Erde der Mittelpunkt des bekannten Universums ist, trat eine Spaltung ein. Während sich die Astronomie zu einer exakten Naturwissenschaft entwickelte, fiel die Astrologie mehr und mehr in den Bereich von Aberglauben und Okkultismus. Erst in jüngster Zeit nahm das Interesse an der Astrologie wieder zu.

Keplers Antwort auf Wallensteins Fragen sein Schicksal betreffend:

"Ich antwortte auf diese und alle dergleichen fragen erstlich haubtsächlich wie bißhero: Welcher Mensch gelehrt, oder ungelehrt, Astrologus oder Philosophus in erörtterung dieser fragen die augen von des Gebornen eignen WillChur abwendet, oder sonsten von seinem Verhalten und Qualiteten gegen den Politischen Umbständen betrachtet, und will diß alles bloß allein aus dem Himel haben, es sey gleich jezo Zwangs oder nur Inclinations und Naigungs weiß, der ist wahrlich noch nie recht in die Schul gangen, und hat das Licht der Vernunft, daß ihme Gott angezündt, noch nie recht gepuzet; und wann er der Sachen nur mit Vleiß nachsinnet, würdt er befinden, das diese fragen baides zu erörttern, und auch fürzulegen eine rechte unsinnige weiß seyen, Ich meins theills sage Gott danckh, das ich die Astrologiam so vill gestudirt, das ich nunmehr von diesen Fantaseyen welche in der Astrologorum Bücher heuffig zueffinden, gesichert bin."

Johannes Kepler, Wallenstein Horoskop; Jänner 1625
Quelle: O. Struve, Beitrag zur Feststellung des Verhältnisses von Kepler zu Wallenstein, Memoiren der Petersburger Akademie der Wissenschaften, VII. Serie, II. Bd. Nr. 4,11