Johannes Kepler Symposium für Mathematik

Im Rahmen des Johannes-Kepler-Symposiums für Mathematik wird ao.Univ.-Prof. Mag. Dr. Stefan Götz, Fakultät für Mathematik, Universität Wien, am Wed, Oct. 1, 2008 um 17:15 Uhr im HS 9 einen öffentlichen Vortrag (mit anschließender Diskussion) zum Thema "Realitätsbezogene Aufgaben - ein Schlüssel zur Nachhaltigkeit im Mathematikunterricht?" halten, zu dem die Veranstalter des Symposiums,

O.Univ.-Prof. Dr. Ulrich Langer,
Univ.-Prof. Dr. Gerhard Larcher
A.Univ.-Prof. Dr. Jürgen Maaß, und
die ÖMG (Österreichische Mathematische Gesellschaft)

hiermit herzlich einladen.

Series D - Didactics

Realitätsbezogene Aufgaben - ein Schlüssel zur Nachhaltigkeit im Mathematikunterricht?

Nachhaltigkeit, ein Begriff aus der Ökonomie, ist eine, wenn nicht die aktuelle Forderung für den Mathematikunterricht. Die Einführung der Bildungsstandards ist das deutlichste Zeichen dafür, dass - etwas überspitzt formuliert - nicht mehr das interessiert, was eingebracht wird, sondern nur mehr das, was herauskommt - und bleibt. Fundamentale Ideen und Grundvorstellungen sind zwei Konzepte der Fachdidaktik Mathematik, die auch die Fragen "Was soll bleiben?" bzw. "Was bleibt?" berühren. Erstere gehen auf den amerikanischen Psychologen J. S. BRUNER zurück (1960) und beziehen sich auf das jeweilige Fach an sich, zweitere auf die Personen, die ein bestimmtes Fach lernen bzw. lehren. Dieser Ansatz ist vom deutschen Mathematik-Fachdidaktiker R. VOM HOFE 1995 in die Diskussion eingebracht worden.

Fundamentale Ideen sind Leitlinien eines wissenschaftlich betriebenen Faches, die sich durch Weite, Fülle und Sinn auszeichnen. Sie dienen zur Orientierung, um ein möglichst unverfälschtes, wenn auch meistens vereinfachendes Abbild der jeweiligen Wissenschaft für den zugehörigen fachlichen Unterricht zu erzeugen. Ihre Identifizierung ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die schon von vielen in unterschiedlicher Hinsicht unternommen worden ist.

Grundvorstellungen haben auch einen subjektiven Aspekt, der einerseits normativ sein kann, wenn er sich auf die Lehrenden bezieht, andererseits deskriptiv, wenn er die Lernenden betrifft. Es ist die zentrale Herausforderung jedes/r Lehrenden, diese beiden Vorstellungstypen so weit wie möglich in Einklang zu bringen. Dazu ist es notwendig, in einem ersten Schritt individuelle Vorstellungen der Schüler(innen) zu identifizieren und in einem zweiten, die Schüler(innen) als Subjekte in den reflektierenden Umgang mit ihren Verstehensprozessen miteinzubeziehen.

Realitätsbezogene Themen werden stets als besonders motivierend für die Schüler(innen) im Mathematikunterricht dargestellt. Zahllose Unterrichtsvorschläge (siehe z. B. die ISTRON-Reihe!) dazu sind entwickelt und auch umgesetzt worden. Internationale vergleichende Untersuchungen von Schüler(innen)leistungen haben noch einmal die Wichtigkeit der Verfügbarkeit mathematischen Wissens in außermathematischen Situationen unterstrichen. Modellierung ist ebenfalls eine ganz aktuelle Forderung für den Mathematikunterricht.

Im Vortrag soll nun exemplarisch versucht werden, die Komponenten Realitätsbezug und Nachhaltigkeit eines modernen Mathematikunterrichts mit den theoretischen Konzepten Fundamentale Ideen und Grundvorstellungen in Beziehung zu bringen. Dabei wird wohl auch über den Einsatz der wichtigsten Medien im Mathematikunterricht, des Schulbuchs und des Computers, zu reden sein.