Johannes Kepler Symposium für Mathematik

Im Rahmen des Johannes-Kepler-Symposiums für Mathematik wird ao.Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Manfred Borovcnik, Institut für Statistik, Alpen-Adria Universität Klagenfurt, am Wed, June 13, 2012 um 17:15 Uhr im HS 13 einen öffentlichen Vortrag (mit anschließender Diskussion) zum Thema "Risiko in Gesundheitsfragen: Mehr Information und mehr Unsicherheit" halten, zu dem die Veranstalter des Symposiums,

O.Univ.-Prof. Dr. Ulrich Langer,
Univ.-Prof. Dr. Gerhard Larcher
A.Univ.-Prof. Dr. Jürgen Maaß, und
die ÖMG (Österreichische Mathematische Gesellschaft)

hiermit herzlich einladen.

Series A - General Colloquium:

The intention is to present general information not only to experts, but also to students and guests from outside the mathematical institutes.

Risiko in Gesundheitsfragen: Mehr Information und mehr Unsicherheit

Risiko ist ein bedeutsamer Faktor in Gesundheitsfragen mit einem starken Akzent auf das Verringern oder Minimieren von Risken wann immer das möglich ist. Mathematischer Angelpunkt in diesen Fragen ist Wahrscheinlichkeit, ein schillernder Begriff, dessen Interpretation ganz und gar künstlich ist. Eine Schätzung der Wahrscheinlichkeit von Risiken bedarf zuverlässiger Daten, die auch noch in der Entstehung einer Reihe von Voraussetzungen genügen müssen. Solch zuverlässige Daten fehlen meist oder sind sehr schwer zu beschaffen. Darüber hinaus werden die Ergebnisse von Studien häufig miss- oder zumindest überinterpretiert – davon sind Mediziner und Experten fast genauso betroffen wie Laien.
Üblicherweise sieht man es als Vorteil an, mehr Information zu haben, wenn man Entscheidungen zu fällen hat. Das trifft aber keineswegs immer zu. Zur Illustration werden einige Beispiele aus dem Gesundheitswesen herangezogen. Einen durchgängigen Kontext bilden Untersuchungen zum Brustkrebs und entsprechende Diagnosemethoden, insbesondere der Versuch, durch Screening der Bevölkerung Vorsorge zu treffen, das bedeutet, vorliegende Erkrankungen in einem frühen, gut behandelbaren Stadium zu diagnostizieren und damit den möglichen Schaden für die einzelnen Personen zu minimieren.
Nicht nur dass viele Daten zur Beurteilung eigentlich fehlen, aus der Fülle von Daten wird von den unterschiedlichen Beteiligten ganz anders ausgewählt. Die Kriterien der Bewertung hängen unter anderem auch und ganz besonders von der Funktion der Person in der Entscheidung ab. Damit wird Rationalität in solchen Entscheidungen mitunter zu einer Fiktion. Fernziel sollte sein, die in der Entscheidung Beteiligten zu unterstützen, damit sie an der Entscheidung wirklich teilhaben können. Das erfordert auch, die involvierten statistischen Methoden auf einfache Weise zu erklären, damit die Ergebnisse von Studien sachgerecht für die individuelle Entscheidung einbezogen werden können.