Johannes Kepler Symposium für Mathematik

Im Rahmen des Johannes-Kepler-Symposiums für Mathematik wird Dr.in Renate Tobies, Friedrich-Schiller-University of Jena (Germany), am Wed, March 24, 2010 um 17:15 Uhr im HS 13 einen öffentlichen Vortrag (mit anschließender Diskussion) zum Thema "Mathematik im Industrielabor. Zu den Anfängen bei Osram und Telefunken" halten, zu dem die Veranstalter des Symposiums,

O.Univ.-Prof. Dr. Ulrich Langer,
Univ.-Prof. Dr. Gerhard Larcher
A.Univ.-Prof. Dr. Jürgen Maaß, und
die ÖMG (Österreichische Mathematische Gesellschaft)

hiermit herzlich einladen.

Series A - General Colloquium:

The intention is to present general information not only to experts, but also to students and guests from outside the mathematical institutes.

Mathematik im Industrielabor. Zu den Anfängen bei Osram und Telefunken

Obgleich einzelne US-amerikanische Unternehmen, wie z.B. die Bell Telephone Laboratories, New Jersey, relativ früh mathematische Forschungsabteilungen einrichteten, beschäftigten vor 1945 die meisten Firmen der Elektro- und nachrichtentechnischen Industrie weltweit höchstens einzelne Personen als mathematische Berater.

Auf der Basis umfangreicher Quellen (Laborberichte, Privatnachlass mit Briefen u.a.) wurde im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts untersucht, wie eine Arbeitsweise "Berechnen statt Stöpseln" in die Unternehmen Osram und Telefunken seit den 1920er Jahren eindrang. Im Zentrum stehen Kinder des Begründers der modernen Numerik Carl Runge (1856-1927) - der mit dem Runge-Kutta-Verfahren in die Geschichte einging. Es wird die interdisziplinäre Struktur der Forschung im Bereich der Glühlampen- und Elektronenröhrenforschung analysiert und an Beispielen demonstriert, wie mathematisch gearbeitet wurde.

Es wird einerseits gezeigt, wie begeistert Iris Runge (1888-1966) war, mathematisch arbeiten zu dürfen. Nach drei Monaten Tätigkeit bei Osram schrieb sie 1923: "Vom Dienst kann ich [...] sagen, dass es herrlich ist (Immer wieder dasselbe!) Zuweilen habe ich den Eindruck, dass es hohe Zeit war, dass mal jemand mit einem kleinen bisschen Mathematik in die Osram gekommen ist, denn es gibt hier Menschen, die unglaublich primitiv rechnen. Und Jacoby selbst könnte doch auch die Hälfte seiner 100 feinen Ideen nicht ausnützen, wenn er mich nicht hätte, um ihm zu sagen, was daran richtig und falsch ist."

Zugleich wird andererseits deutlich werden, dass das grundsätzliche Herangehen an das Lösen von Problemen dem aktuellen Vorgehen in der Techno- und Wirtschaftsmathematik ähnelte, nur dass anstelle des Instruments Computer andere mechanische Instrumente bzw. grafische Methoden benutzt wurden.